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Ganz bewusst auch mal offline sein

Foto: © Pexels | pixabay.com
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„Mama, jetzt guck doch nicht dauernd auf dein Handy!“ Nicht nur Kinder und Jugendliche hängen ständig über ihrem Smartphone, auch Erwachsenen fällt es zunehmend schwer, das Gerät mal aus der Hand zu legen. So aktivierten beispielsweise Teilnehmende an einer Studie der Uni Bonn mehr als 80 mal am Tag ihr Handy.

Eben schnell noch die Mails checken, die neueste Info aus dem Sportgruppen-Chat lesen, ein Foto vom Freundinnentreff auf Facebook posten: Ein Leben „ohne“ scheint kaum noch möglich. Auf Fast Food oder Alkohol verzichten? Geschenkt. Eine Woche ohne Handy? Unvorstellbar. Dabei lässt sich das Handy sinnvoll nutzen. Mails können von überall her abgerufen werden, Nachrichten sind schnell verfügbar und spezielle Apps helfen, die Fitness zu erhalten, und unterstützen einen gesundheitlichen Lebensstil. Doch das dauernde Online-Sein, die ständige Erreichbarkeit und Verfügbar-keit können auch krank machen. Höchste Zeit also, sich selbstkritisch zu fragen, ob man ganz bewusst offline sein will, um zu entschleunigen.Gerade mal elf Jahre sind die modernen Smartphones auf dem Markt und mittlerweile nicht mehr wegzudenken, wie eine aktuelle Studie der Gesell-schaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) zeigt: Danach haben zwei Drittel der Deutschen ihr Smartphone immer bei sich, 64 Prozent schauen vor dem Zubettgehen noch mal darauf, mehr als die Hälfte liest Nachrichten per SMS oder Whats-App sofort.

Wer aber ständig aufs Display guckt, unterbricht damit jede konzentrierte Arbeit und ge-wöhnt sich Multitasking an. „Durch die Reizüberflutung und dauernde Erreichbarkeit steigt die psychische Belastung, die Menschen fühlen sich mehr und mehr gestresst und getrieben“, so Christine Spanke, Diplom-Psychologin bei der AOK.

Mobile Endgeräte können das soziale Leben beeinflussen

Foto: AOK-Mediendienst
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Damit nicht genug: Übermäßiger Konsum von Smartphone, Tablet und Laptop kann dazu führen, dass wichtige Aufgaben oder das reale soziale Umfeld vernachlässigt werden. Die zunehmende Multifunktionalität der mobilen Endgeräte befeuert dies noch.

Ein Smartphone und Tablet „kann“ eben nicht nur Telefon und Internet, es ist auch Spielgerät, Kamera, Terminkalender, Wecker und Taschenlampe in einem.
„Je mehr man sich im Alltag dann aus Bequemlichkeit, Gewohnheit oder Müdigkeit von den digitalen Medien ablenken lässt, umso geringer wird die Selbstkontrolle“, erklärt AOK-Expertin Spanke. Das ist auch schädlich fürs Berufsleben: Wer auf der Arbeit häufig auf das Handy schaut, wird aus der Konzentration gerissen und kommt meist nicht richtig in seinen Workflow. „Das Smartphone verbindet uns zudem mit anderen Menschen, mit Informationen und bietet Ablenkung“, so Spanke. „Jeder Mensch möchte beachtet und geliebt werden. Wenn wir eine Nachricht erhalten oder ein Like für unseren Facebook-Post, fühlen wir uns wahrgenommen und erfüllen auf diese Weise auch soziale Bedürfnisse. Kurzfristig macht dies glücklich, geht aber zulasten unserer realen Beziehungen und Kommunikation.“

Doch wie schafft man es, den eigenen Umgang mit dem Smartphone gesund zu gestalten?

Pure Enthaltsamkeit lässt sich in unserer digitalisierten Welt kaum leben. Es geht eher darum, für sich selbst das richtige Maß zu finden. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das Smartphone kann zum Beispiel häufiger auf lautlos oder Flugmodus gestellt werden, um nicht ständig durch Klingeln, Vibrieren oder optische Reize zu stören. Sinnvoll ist es auch, sogenannte Push-Nachrichten abzubestellen, die permanent über Neuigkeiten der jeweiligen Apps informieren.

Unnütze Apps und Nachrichten löschen

Foto: © Bartek Zakrzewski  | pixabay.com
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Installierte Apps sollten regelmäßig auf ihren Nutzwert hin überprüft werden – was nicht mehr gebraucht wird, kann weg. Das gilt auch für WhatsApp-Gruppen, in denen sich oft endlose Chats entwickeln, die meist nur Zeit und Nerven kosten und wenig Nutzwert haben. „Wichtig ist, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, immer sofort reagieren zu müssen“, so Psychologin Spanke. Nicht jede Anfrage muss gleich beantwortet werden, damit wird nur die Erwartungshaltung der anderen immer weiter in die Höhe getrieben.

Im Alltag sollten möglichst handyfreie Zonen eingerichtet werden, zum Beispiel im Schlafzimmer oder auch am Esszimmertisch. Häufig wird das Smartphone auch als Wecker oder Uhr genutzt – was dann wieder ein Grund ist, noch einmal kurz andere Services in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel Facebook, WhatsApp oder Instagram. „Warum nicht einen einfachen Wecker und eine Armbanduhr nutzen? Dann gibt es weniger Anlässe, das Smartphone in die Hand zu nehmen“, rät Spanke.

Quelle: AOK-Medienservice

 


 

Dieser Beitrag wurde von Detlef Klemme eingestellt.
Der Trierer Journalist und Buchautor ist Mitgesellschafter
der BLiCKpunkt Senioren GbR und leitet dort seit über
15 Jahren die Fachredaktion im Medienverbund.

 

 

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