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Kraft-Balance-Training beugt Stürzen vor

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Gezieltes Training lohnt sich auch im Alter. Foto: AOK-Mediendienst
Gezieltes Training lohnt sich auch im Alter. Foto: AOK-Mediendienst

(ams). Es ist dunkel, die Hausschuhe geben keinen Halt, ein loses Telefonkabel liegt im Weg, dazu kommt ein plötzliches Schwindelgefühl - schon ist besonders für ältere Menschen das Risiko groß, zu fallen und sich dabei zu verletzen. Wenn Senioren regelmäßig ihre Kraft und ihr Gleichgewicht trainieren, können sie damit Stürzen vorbeugen oder die Folgen mindern.

Etwa ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal pro Jahr. Laut Dr. Clemens Becker, Chefarzt der Klinik für geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, steigt das Risiko mit höherem Alter noch an: Bei Menschen über 80 Jahren liegt die jährliche Sturzrate bei 40 bis 50 Prozent, bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sogar bei über 50 Prozent. Jeder zehnte Sturz hat Verletzungen zur Folge, die behandelt werden müssen. Häufig sind Knochenbrüche, meist am Oberarm, Unterarm und Becken. Mehr als 100.000 Menschen in Deutschland ziehen sich jährlich eine Hüftfraktur zu, etwa einen Oberschenkelhalsbruch. Häufig führt eine solche Verletzung zu Pflegebedürftigkeit.

Stürze können viele Ursachen haben: Wenn Menschen nicht mehr sicher stehen und gehen können und schlecht sehen, erhöht das genauso ihr Sturzrisiko wie schwache Muskeln, Harninkontinenz (Blasenschwäche) sowie Erkrankungen wie Demenz, das Parkinsonsyndrom oder Schlaganfall. Medikamente können ebenfalls zu Stürzen beitragen, etwa Schlafmittel, Neuroleptika und Antidepressiva. Kritisch sind außerdem Gefahren in der Umgebung. Dazu gehören eine schlechte Beleuchtung, steile Treppen ohne Handläufe, hochstehende Teppichkanten, glatte Fliesen und unebene Gehwege.

Stolperfallen beseitigen

Um Stürze zu vermeiden, ist es daher wichtig, die Wohnung zweckmäßig einzurichten. Es empfiehlt sich, Stolperfallen wie lose Kabel zu beseitigen und Bodenbeläge zu befestigen. Stabil verankerte Haltegriffe und rutschfeste Matten erhöhen die Sicherheit im Bad. Auf der sicheren Seite ist auch, wer feste Schuhe trägt und seine Augen regelmäßig kontrollieren lässt. Außerdem sollten Senioren mit ihrem Hausarzt besprechen, ob sie bestimmte Medikamente durch andere ersetzen können. Zudem ist es sinnvoll, die Funktionsfähigkeit von Gehhilfen und Rollatoren zu überprüfen.

Vor allem helfen ausreichend Kraft und ein gutes Gleichgewichtsgefühl, Stürze zu vermeiden. Auch hochbetagte Menschen können noch Muskeln aufbauen und ihre Balance verbessern. Anleitungen für geeignete Übungen können Interessierte im Pflegeportal der AOK herunterladen. Bevor sie starten, sollten Senioren mit ihrem Arzt klären, ob etwas gegen das Training spricht.

Um die Muskeln zu stärken, eignen sich vor allem Kräftigungsübungen auf oder mit dem Stuhl. Die Übungen können zum Beispiel in Kombination mit Hanteln und Gewichtsmanschetten für die Beine durchgeführt werden. Denn mit Gewichten lässt sich am besten Muskelmasse aufbauen. Die Balance trainiert man am besten im Stand - zum Beispiel mit Übungen wie Hüftkreisen, Über-die-Schulter-schauen sowie Gehvariationen oder dem Ein-Bein-Stand. Zur Sicherheit sollte immer eine Möglichkeit zum Festhalten oder ein Stuhl zum Ausruhen in Reichweite sein. Für einen sicheren Stand sorgen feste Schuhe.

AOK engagiert sich in Pflegeheimen

Kraft-Balance-Training ist auch das Herzstück von Angeboten der AOK zur Sturzprophylaxe in Pflegeheimen. Die Programme basieren auf dem sogenannten Ulmer Modell, das Clemens Becker gemeinsam mit anderen Experten entwickelt hat. Die AOK Baden-Württemberg setzt das Angebot seit 2003 erfolgreich um, die AOK Bayern seit 2007. Auch andere AOKs bieten das Programm in abgewandelter Form an. Darin verbessern die Heimbewohner in Übungen ihre Muskelkraft und ihr Gleichgewicht. Die Mitarbeiter von Pflegeheimen lernen in Schulungen, Stürzen vorzubeugen und das Kraft-Balance-Training selbst anzuleiten. Teil des Angebotes ist auch eine sichere Gestaltung der Umgebung und eine Anpassung der Medikation. Besonders sturzgefährdeten Bewohnern wird empfohlen, Hüftprotektoren zu tragen.

Eine Auswertung zeigt, dass sich der Aufwand lohnt. Danach hat sich in Pflegeheimen, die Sturzprävention anwenden, die Zahl der Hüftfrakturen um knapp 20 Prozent verringert. Positive Erfahrungen hat auch die AOK Rheinland/Hamburg mit ihrem Schulungsprogramm "Sicher und mobil bleiben" gemacht, das sie seit 2009 anbietet. Durch ein Kraft-Balance-Training hat sich die Zahl der Stürze in den beteiligten Heimen um 14 Prozent und die Zahl der Knochenbrüche um fast zwölf Prozent reduziert.

Mehr Informationen zum Thema und Übungen zum Herunterladen gibt es im Pflegeportal der AOK und auf den Seiten der Initiative "Aktiv in jedem Alter".

 

Quelle: AOK-Bundesverband

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Detlef Klemme
BLiCKpunkt Senioren | Klemme & von Treskow GbR 
Foto: © Kirsten Hötger


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Detlef Klemme eingestellt. Der Paderborner Journalist
und Buchautor ist Mitgesellschafter der
BLiCKpunkt Senioren GbR und leitet dort
seit über 10 Jahren die Fachredaktion im Medienverbund.
Im Januar 2012 wählten ihn die Mitglieder des Verein
Pflegeliga e.V. zum
geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden.


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