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Mutig, witzig, weise – und über 100

Erna (106): „Lebenslang immer wieder etwas Neues lernen...
Erna (106): „Lebenslang immer wieder etwas Neues lernen...

Im Kino-Dokumentarfilm „Ü100“ von Dagmar Wagner sprechen acht über Hundertjährige über ihre aktuelle Lebenswelt – auf wohltuend heitere Weise.

Bundesweiter Kinostart ist am 6. April 2017, pünktlich zum Internationalen Tag der Älteren Generation.

„Was für eine Freude ist es, diesen über Hundertjährigen zuzuschauen! Ü100 wirft einen positiven und ermutigenden Ausblick auf die spätere Lebensphase und kann uns in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Älterwerden inspirieren“, betonte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller.

Lebenslang immer wieder etwas Neues lernen

Erna (106) lebt seit neun Jahren in einer Seniorenresidenz am Starnberger See. Seitdem ist sie zu einem großen Fußballfan geworden, weil im Fernsehen „nie ´was Gutes kommt“. Begeistert hält sie zum FC Bayern, wundert sich aber immer, wie „geschickt die Fußballer hinfallen“. Sie ist die Einzige im Heim, der auffällt, wenn ein Mitbewohner(in) eine Weile nicht mehr zu den Essen erscheint. Dann bringt sie zum Trost Blumen ans Krankenbett.


Münchner Merkur: „Mit Ü100 ist Dagmar Wagner ein heiterer, puristischer Film gelungen, der von der Gelassenheit und dem Gottvertrauen ihrer Protagonisten getragen wird. Ü100 ist die Essenz dessen, was man gemeinhin unter 'in Würde altern' versteht.“


Ruja (102): „Ich gehöre zu denjenigen, die das Traurige und Niederdrückende wegschieben, weg damit, das kann ich nicht leiden und dann geht es weg.“
Ruja (102): „Ich gehöre zu denjenigen, die das Traurige und Niederdrückende wegschieben, weg damit, das kann ich nicht leiden und dann geht es weg.“

Der Film ist kein depressiver Alters-Blues, sondern ein Einblick in eine immer noch reiche Lebenswelt: Die 102-jährige Ruja setzt sich ans Klavier und spielt Mozart.

„Ich spüre nicht, dass ich älter werde“, sagt sie. Ernst, ebenfalls 102, hat kürzlich einen Einbrecher in seinem Haus zuerst verarztet und dann rausgeworfen.

Erna, 106, liebt Fußball und zittert für ihren Lieblingsverein. Und die 103-jährige Anna sei jetzt „reif für den Untergang“ und lacht dabei!

Ein zunehmend zufriedener Gemütszustand

Ruja (102) spielt leidenschaftlich gerne Klavier.
Als 100jährige wollte sie nicht mitmachen beim Film, weil dann ja jeder wüsste, wie alt sie sei. Aber als Klavierspielerin war sie bereit dazu! Ruja verbannt alles Niederdrückende aus ihrem Leben und hat das Bedürfnis, traurige Menschen wieder fröhlich zu machen - was ihr auch immer gelingt, wie sie versichert.
 

Ernst (103) führte fast 62 Jahre lang eine sehr glückliche Ehe: „Meine Frau war so wie ich ein sehr lustiger Mensch!“
Ernst (103) führte fast 62 Jahre lang eine sehr glückliche Ehe: „Meine Frau war so wie ich ein sehr lustiger Mensch!“

Die acht Protagonisten in Ü100 von Bayerischer-Filmpreis-Gewinnerin Dagmar Wagner strahlen eine große Gelassenheit und innere Freiheit aus. Das gelebte Leben ist längst angenommen, nichts wird mehr auf Effizienz, Perfektion und Selbstdarstellung getrimmt. Sie können Beispiel und Orientierung sein für die Jüngeren einer immer schneller werdenden Gesellschaft.

Ü100 startet am 6. April 2017 bundesweit in den Kinos – passend zum „Internationalen Tag der Älteren Generation“, der am 5. April 2017 begangen wird.

Tanzen als perfektes Hobby im Alter

Ernst (103) erzählt, wie er einen blutenden Einbrecher erst verarztete und dann aus seinem Haus geworfen hat. Den Kontakt zu ihm hatte ich allerdings bereits vor diesem „Ereignis" und freute mich, als ich über ihn in der Zeitung las! Ernst war außerdem ein begeisterter Tänzer und lernte so noch mit 89 Jahren als Witwer eine neue Frau kennen, mit der er weitere fünf Jahre eine Beziehung führte - bis auch sie leider vor ihm starb.

Hella (103): „Es kommt nicht auf die Anzahl der Lebensjahre an, sondern auf das, was man daraus gemacht hat.
Hella (103): „Es kommt nicht auf die Anzahl der Lebensjahre an, sondern auf das, was man daraus gemacht hat.

Mit ihrem ersten Film „Das Ei ist eine geschissene Gottesgabe“ eroberte Dagmar Wagner einst den Kino-Olymp. Mit ihm gewann sie den Bayerischen Filmpreis, er wurde einer der erfolgreichsten deutschen Kinodokumentarfilme aller Zeiten. Nach über 20 Jahren legt die Regisseurin jetzt wieder ein Werk mit Kultpotential vor, das Spaß macht, Tiefe hat und die Zuschauer zum Nachdenken anregt: Eine wohltuende und fast immer heitere Gesellschaft sind „ihre“ über Hundertjährigen in Ü100 – doch es gibt nichts zu beschönigen. Sie führen auch eingeschränkte, abhängige Leben. Aber alle meistern diese Herausforderung mit Würde, Tapferkeit, Humor und Selbstironie.

Anerkennung der Lebensleistung und Stärken im Alter

Hella (103) geht selbständig zum Friseur und zum Einkauf beim Edeka. Zu gegebenen Anlässen hält immer nur sie die Reden bei ihrem Kaffeekränzchen - ohne Notizen und aus dem Stand, versteht sich! Fünf Kinder von zwei Männern hat sie allein groß gezogen. Der erste Ehemann fiel im Krieg, vom zweiten Mann ließ sie sich scheiden und wurde Lehrerin. Heute ist sie stolz, dass sie sich selber eine Rente verdient hat, von der sie jetzt gut leben kann.


Kreisbote: „Wer düstere Bilder und Schicksale erwartet, hat sich getäuscht. Es sind die Geschichten der Protagonisten, die vor Lebensmut sprühen. Ihr munteres Wesen wächst dem Zuschauer richtiggehend ans Herz. Die Quintessenz ist eine beschwingte Leichtigkeit.“


Ein kurzer Einblick

 

Ü100 ist ein Film von Dagmar Wagner (Drehbuch, Regie, Produktion). Bundesweiter Kinostart ist am 6. April 2017 – pünktlich zum Internationalen Tag der Älteren Generation (5. April 2017).

 

Gerda (100) hat früh erkannt, dass Altern nichts für Feiglinge ist: „Jammern hilft da nicht viel weiter!
Gerda (100) hat früh erkannt, dass Altern nichts für Feiglinge ist: „Jammern hilft da nicht viel weiter!

Jenseits allen Unterhaltungswerts gewährt Ü100 außerdem einen Blick in die Zukunft: Die Hälfte aller Deutschen mit Geburtsjahr 2000 oder später hat eine gute Chance, 100 Jahre alt zu werden. Bereits 2060 werden mehr als zehn Mal so viele Hundertjährige leben wie heute. Rentnerberg und Seniorenwelle? So what! Ü100 stellt jenseits von Schönfärberei und Zweckoptimismus unter Beweis: Altwerden ist kein Mangel!

Eine positive Einstellung zum Älterwerden

Gerda (100) führte auch noch im Seniorenheim „die Truppe“ an. Wenn sie ihre Stimme erhebt, hören einfach alle zu: eine Respektsperson, die sich tapfer als immer arbeitende und allein erziehende Mutter nach dem Krieg durch´s Leben geschlagen hat! Das Wichtigste in ihrem hohen Alter sei, immer positiv eingestellt zu sein. Jammern hilft nicht weiter: Man muss nicht nur körperlich, sondern auch seelisch bereit sein, das mitzumachen.

Wie die meisten Hundertjährigen glaubt Franz Xaver (100) mehr an die Bestimmung seines Lebens durch das Schicksal, wenn er an seine Vergangenheit denkt.
Wie die meisten Hundertjährigen glaubt Franz Xaver (100) mehr an die Bestimmung seines Lebens durch das Schicksal, wenn er an seine Vergangenheit denkt.

Mit Heiterkeit und ohne Pathos schildern die acht über Hundertjährigen ihr momentanes Leben und beeindrucken mi t echter Authent izität : Die 83 Filmminuten wirken wie ein Tag Urlaub, eine Reise in ein unbekanntes Land mit großem Erholungseffekt: Denn für unsere auf Effizienz und Perfektion getrimmte Gesellschaft können Einblicke in das Leben Hochaltriger heilsam sein. Wenn sich das Leben fast ausschließlich auf die reine Existenz beschränkt, bleibt für Eitelkeiten kein Raum mehr. Den Wert und Respekt für das Leben der Hochaltrigen zu erkennen wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine der humansten Aufgaben unserer Gesellschaft sein.

Prozesse der inneren Einkehr
und das Annehmen der Lebensgeschichte

Franz Xaver (100) fühlt sich durch seine Seh- und Hörbehinderung vom Leben abgeschnitten und spricht mit seinen Bäumen vor dem Fenster, ist aber weit entfernt davon, „verrückt“ zu sein. Ganz im Gegenteil, er beschreibt seine Situation sehr präzise und äußert den Wunsch, bald sterben zu dürfen.


Süddeutsche Zeitung: „Ein anrührender und außergewöhnlicher Film: Er ist humorvoll, berührt und wirft einen einfühlsamen und positiven Blick auf das Altwerden ohne dabei die Einschränkungen, die Krankheit und Alter mit sich bringen, zu beschönigen. Die Nähe zu den Protagonisten, mit der sich Dagmar Wagner den Hundertjährigen nähert, schafft eine neue Bewertungsgrundlage des Altwerdens.“


Anna (103): „Weil ich net weiß, wie das geht, wenn man stirbt. Wenn ich das wüsste, wär‘s viel besser.“
Anna (103): „Weil ich net weiß, wie das geht, wenn man stirbt. Wenn ich das wüsste, wär‘s viel besser.“

Die Reaktionen von Publikum und Presse nach der Uraufführung einer Vorabversion des Films waren überwältigend: In bester Laune, mit sehr viel weniger Angst vor dem Älterwerden und nach langen, intensiven Gesprächen, verließen die Zuschauer den Kinosaal.

Tod und Sterben
sind keine Tabuthemen mehr

Anna (103) sitzt seit vier Jahren im Rollstuhl und beobachtet das Parkdeck, „wie´s ein- und ausparken und sich dumm stellen“ dabei.

Sie sei jetzt „reif für den Untergang“ und lacht dabei! Sie will nicht mehr viel über die Vergangenheit nachdenken, fragt sich aber trotzdem: "Wofür war ich eigentlich da?"

Zur Regisseurin

Theresia (101): „Familie und Bekannte hab‘ ich genug, es kommen auch viele rein. Ich bin immer froh, wenn jemand reingeht. Wenn die Tür aufgeht, bin ich immer neugierig, wer kommt.“
Theresia (101): „Familie und Bekannte hab‘ ich genug, es kommen auch viele rein. Ich bin immer froh, wenn jemand reingeht. Wenn die Tür aufgeht, bin ich immer neugierig, wer kommt.“

Dagmar Wagner M.A, geboren 1960. Magisterstudium der Kommunikationswissenschaften mit Psychologie und Psycholinguistik an der LMU München. Danach Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film, München, Abteilung Dokumentarfilm. Arbeit als Journalistin, Drehbuchautorin, Dokumentarfilmerin für ZDF, BR, ARD. Enge Zusammenarbeit mit Helmut Dietl, Igor Luther, Georg Stefan Troller, Maria von Welser, Petra Gerster.
Seit 2010: Arbeit als Privatbiografin (6. Deutscher Biographiepreis für Privatbiografien 2013), Filmemacherin sowie Vortrags- und Seminartätigkeit zu verschiedenen Aspekten (Philosophie, Soziologie, Psychologie sowie Gehirnentwicklung) rund um das Thema „Älterwerden“.

Ein fester Fels für die Familie

Theresia (101) liegt seit einem Jahr nur im Bett. Das hätte sie sich früher nie vorstellen können, nutzt jetzt aber die Zeit zum Nachdenken, über das, "was so war"! Als Hausangestellte fand sie nie Zeit für sich und holt das jetzt nach.

Quellen: www.ü100-derfilm.de | www.konzept-und-dialog.de | www.konstantin-fritz.deQuelle: www.ü100-derfilm.de
 


 

Detlef Klemme 
BLiCKpunkt Senioren | Klemme & von Treskow GbR 
Foto: © Pia Haun
 

Dieser Beitrag wurde von Detlef Klemme eingestellt.
Der Paderborner Journalist und Buchautor ist Mitgesellschafter der
BLiCKpunkt Senioren GbR und leitet dort seit über 15 Jahren die
Fachredaktion im Medienverbund. Im Januar 2012 wählten ihn die
Mitglieder des Verein Pflegeliga e.V. zum geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden.


 

 

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