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Sommer, Sonne, Wespenstich

Tipps für Insektengift-Allergiker

Süße Getränke locken Wespen und Bienen an. Foto: AOK-Mediendienst
Süße Getränke locken Wespen und Bienen an. Foto: AOK-Mediendienst

Meistens harmlos, für manche lebensbedrohlich: ein Insektenstich. Schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen in Deutschland reagieren allergisch auf Insektengifte, die meisten auf den Stoff, der im Stachel einer Biene oder Wespe steckt. In Minutenschnelle können dann Atemnot oder ein Herz-Kreislauf-Kollaps auftreten. Wer betroffen ist, sollte für den Notfall gerüstet sein und sich entsprechend schützen.

Die lästigen Wespen stören bei der Kaffeetafel. Ein Gast schlägt wild um sich - und wird gestochen. Zunächst kein Grund zur Panik: "Normalerweise bleibt es bei einer lokalen Reaktion. Das heißt, die Einstichstelle rötet sich, schwillt an und schmerzt", so Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. Doch bei Allergikern breitet sich die allergische Reaktion über den ganzen Körper aus. Es können Rötungen und Juckreiz überall auf der Haut auftreten. Kommen Schwellungen im Gesicht und am Hals, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Kreislaufprobleme dazu, spricht man von einer Anaphylaxie. Dies ist eine lebensgefährliche Situation und erfordert sofort den Notarzt! - Telefon 112 -  Denn in schweren Fällen kann das Herz-Kreislauf-System völlig zusammenbrechen, es treten starke Atemnot und Bewusstlosigkeit ein. Bei allergischen Allgemeinreaktionen auf einen Insektenstich sollte ein Facharzt mittels Haut- und Bluttests klären, ob es sich tatsächlich um eine Allergie handelt. Er sollte auf jeden Fall fragen, welches Insekt gestochen hat. Meistens sind Wespen die Übeltäter. Sie sind aggressiver als Bienen, die nur ihren Stachel ausfahren, wenn sie sich bedroht fühlen. Seltener haben Hummeln oder Hornissen zugestochen. Die weit verbreitete Angst vor Hornissenstichen ist übrigens unbegründet. Das Gift der Honigbiene ist bis zu zehnmal stärker. Zumal Hornissen als ebenso friedfertig gelten wie Bienen.

Für den Notfall gerüstet sein

Eine Insektenallergie kann sich bei jedem entwickeln, jederzeit. Das Risiko steigt mit dem Alter, man muss nicht allergisch vorbelastet sein. Doch nicht automatisch weisen starke lokale Reaktionen an der Einstichstelle auf eine Allergie hin. Die Einstichstelle kann sich auch infizieren und daher weiter anschwellen. Wer schon mal eine anaphylaktische Reaktion hatte, sollte eventuell ein Notfallset bei sich tragen. Das Set, das vom Arzt verschrieben wird, enthält drei Medikamente: Ein schnell wirkendes Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat, die beide abschwellend wirken und die allergische Reaktion mildern. Außerdem eine Fertigspritze mit Adrenalin, die Blutdruck und Kreislauf in Minutenschnelle stabilisiert. Damit lässt sich die Zeit überbrücken, bis der Notarzt eintrifft. Außerdem sollte der Bienenstachel so schnell wie möglich entfernt werden, wenn er noch in der Haut steckt. Und zwar so, dass die mit Gift gefüllte Blase dabei nicht zerquetscht wird. Am besten ist es, ihn mit dem Fingernagel wegzukratzen.

Ursächlich behandeln durch Hyposensibilisierung

Die wichtigste, langfristige Maßnahme gegen eine Insektengiftallergie ist eine Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt. "Damit lässt sich eine Insektengiftallergie ursächlich behandeln", betont Ärztin Eymers. Der Arzt spritzt dabei das allergieauslösende Gift (entweder der Biene oder der Wespe) in ansteigender Konzentration dem Patienten in den Oberarm, damit sich sein Immunsystem langsam daran gewöhnt. Diese Behandlung dauert circa drei bis fünf Jahre und erfordert eine gute Mitarbeit vom Patienten. Für besondere Risikogruppen, wie Imker oder Obstbauern, kann in den Sommermonaten eine besonders schnelle Variante der Immuntherapie zum Einsatz kommen: Bei dieser "Rush-Hyposensibilisierung“ wird die sogenannte Erhaltungsdosis bereits innerhalb weniger Tage, und nicht erst nach Monaten, erreicht. Dazu müssen sich die Patienten allerdings in eine Fachklinik begeben, weil diese Art der Hyposensibilisierung komplikationsträchtiger ist. Die Hyposensibilisierung wird nach der Einleitungsphase über drei bis fünf Jahre mit monatlichen Spritzen fortgeführt, mitunter sogar länger. Die Geduld lohnt sich, denn die Erfolgsquoten sind hoch: Bis zu 95 Prozent der Menschen, die sich so behandeln lassen, müssen schlimme Reaktionen nicht mehr befürchten.

So machen Insekten keinen Stich

Tipps

  • Nicht hastig nach den Insekten schlagen und heftige Bewegungen vermeiden. Wespen stechen nämlich, sobald sie sich bedroht fühlen.
  • Auch das Wegpusten der Tiere ist nicht ratsam: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal.
  • Beim Essen im Freien sollten keine Süßigkeiten oder Fleisch herumliegen.
  • Verschließbare Behälter für Speisen und Getränke nutzen, damit nicht unbeobachtet Insekten hineinkrabbeln oder -fliegen.
  • Nicht aus offenen Flaschen oder Getränkedosen trinken, Trinkgläser abdecken.
  • Weite, fliegende Kleider, dunkle Farben und farbige Blumenmuster meiden.
  • Möglich ist eine sogenannte Ablenkfütterung. Nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) eignen sich dazu überreife Weintrauben am besten. Fünf bis zehn Meter vom Ort des eigentlichen Geschehens entfernt aufgestellt, halten die Früchte die Wespen in Schach. Unverdünnte Marmelade oder reiner Honig wirken als Ablenkung weniger gut. Sie machen die Tiere aggressiv. Von Wespenfallen, die mit süßem Saft oder Bier gefüllt sind, rät der NABU ganz ab. Die Tiere sterben in der Flüssigkeit einen qualvollen Tod. Zudem gehen nur alte Tiere in die Falle. Das aktive Volk wird nicht dezimiert.
  • Parfums und stärker parfümierte Kosmetika meiden.
  • Vorsicht bei Gartenarbeiten: So viel wie möglich vom Körper bedecken (lange Ärmel, lange Hosen, Hut).
  • Nicht barfuß nach draußen gehen. Bienen lieben Klee und viele Wespen leben im Boden.
  • Die Nähe von Mülltonnen und Abfallkörben im Freien meiden.
  • An den Fenstern ein Insektengitter anbringen.
  • Immer Notfallset mitnehmen. Am besten auch einen Anaphylaxie-Pass und -Notfallplan.
  • Auch für Nichtallergiker gefährlich: ein Stich in Mund oder Rachen. Eiswürfel lutschen, umgehend Arzt aufsuchen oder Rettungsdienst alarmieren.
  • Bei heftigen Reaktionen nach Mückenstichen: Kühlende Salben oder Gele auftragen.

Quelle: AOK-Bundesverband

Mehr Informationen finden Sie im Beitrag: Guck mal, wer da piekst!

 


Detlef Klemme 
BLiCKpunkt Senioren | Klemme & von Treskow GbR 
Foto: © Pia Haun
 

Dieser Beitrag wurde von Detlef Klemme eingestellt.
Der Paderborner Journalist und Buchautor ist Mitgesellschafter der
BLiCKpunkt Senioren GbR und leitet dort seit über 15 Jahren die
Fachredaktion im Medienverbund. Im Januar 2012 wählten ihn die
Mitglieder des Verein Pflegeliga e.V. zum geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden.


 

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