zurück zu Aktuelles (Startseite)

Unsere Gartenvögel

Die zehn größten Irrtümer

Wenn das im Garten angebotene Futter verschiedene Vogelarten anspricht, lässt sich hier tagtäglich eine große Artenvielfalt beobachten - hier sind es beispielsweise Zeisige. Foto: Welzhofer/Moriell
Wenn das im Garten angebotene Futter verschiedene Vogelarten anspricht, lässt sich hier tagtäglich eine große Artenvielfalt beobachten - hier sind es beispielsweise Zeisige. Foto: Welzhofer/Moriell

Der Gesang einer Amsel zu Beginn des Frühjahrs, junge Meisenküken bei den ersten Flugversuchen, scheue Rotkehlchen an der » Futterstelle im Winter - wer einen Garten hat, findet rund ums Jahr Gelegenheit, interessante Einblicke ins Leben von Vögeln zu gewinnen. Besonders für Kinder, die immer weniger Gelegenheiten zu eigenen Erlebnissen in der Natur haben, sind solche Beobachtungen spannend und lehrreich. Ist das Interesse erst einmal geweckt, werden Eltern und Großeltern mit Fragen rund um die Tier- und Pflanzenwelt gelöchert. „Dabei werden häufig aber auch Informationen weitergegeben, die so nicht mehr dem neuesten Erkenntnisstand entsprechen", weiß Christine Welzhofer, Wildvogel-Expertin aus dem bayerischen Gessertshausen. Was die Fütterung von Gartenvögeln betrifft, hat sich in den letzten Jahren einiges an Standpunkten verändert.

Hier zehn immer noch weit verbreiteten Meinungen
sowie die Richtigstellung durch die Fachfrau

1. Die Natur sorgt schon von selbst für ihre Tiere.

Welzhofer: „In funktionierenden Ökosystemen ist das durchaus der Fall. Fakt ist aber, dass heute in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft die Insektenpopulationen um stellenweise bis zu 30 Prozent zurückgegangen sind und den Vögeln daher eine entscheidende Nahrungsgrundlage weggebrochen ist. Auch die Pflanzenvielfalt nimmt mehr und mehr ab, so dass die Tiere auch immer weniger Früchte und Samen finden. Grundsätzlich gilt: Je auf- und leergeräumter das Vogelrevier, desto wichtiger wird die Fütterung durch Menschenhand."

Den Zaunkönig bekommt man nur bei aufmerksamem Hinsehen hin und wieder zu Gesicht bekommt. Foto: Welzhofer
Den Zaunkönig bekommt man nur bei aufmerksamem Hinsehen hin und wieder zu Gesicht bekommt. Foto: Welzhofer

2. Gefüttert wird nur bei Eis und Schnee.

Welzhofer: „Bei den heutigen, schwierigen Umweltbedingungen fehlt den Vögeln rund ums Jahr die Nahrung. Eine Ganzjahresfütterung ist daher eindeutig besser als nur die gelegentliche Futtergabe. Wer trotzdem ausschließlich in der kalten Jahreszeit füttern möchte, sollte dann zumindest frühzeitig damit beginnen. Denn eine Vogelpopulation im Garten braucht immer ein paar Tage, um eine Futterstation zu entdecken und sich an sie zu gewöhnen. Diese Zeit fehlt den Tieren, wenn tatsächlich nur bei extremen Wetterlagen wie Eis und Schnee spontan gefüttert wird."

3. Pro Garten eine Futterstelle.

Welzhofer: „Wenn sich alle Vögel auf nur eine Futterstelle stürzen, kann das für die Tiere durchaus stressig werden. Zumal sich meist große Arten wie Amseln oder agile Arten wie Sperlinge gegen die kleinen Rotkehlchen oder Zaunkönige durchsetzen. Für Entspannung sorgt es, wenn je nach Möglichkeit zwei bis drei Futterstellen im Garten gibt. Idealerweise sollte es dann an jeder ein anderes Nahrungsangebot geben, so dass Körner-, Beeren- und Weichfresser gleichermaßen versorgt werden. Für zusätzliche Stressreduzierung kann auch das Aufhängen von » Gourmetknödeln und » Vogelschmäusen in der Nähe der Futterstation sorgen."

Gerade im Frühjahr und Sommer brauchen Vögel im Garten Ruhe für ihre Aktivitäten wie Nestbau und Brutpflege. Foto: Welzhofer/Hecker
Gerade im Frühjahr und Sommer brauchen Vögel im Garten Ruhe für ihre Aktivitäten wie Nestbau und Brutpflege. Foto: Welzhofer/Hecker

4. Gartenvögel, die man füttert,
    jagen keine Schädlinge mehr.

Welzhofer: „Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der natürliche Jagdtrieb der Vögel auch durch ein ausreichendes Futterangebot nicht unterdrückt wird. Es gibt keine besseren Schädlingsvernichter als unsere Gartenvögel. Die Ganzjahresfütterung durch den Menschen ist für die Tiere eher eine Nahrungsergänzung und hilft ihnen schwierige Zeiten zu überstehen."

5. Im Winter verbrauchen Vögel die meiste Energie,
    weil es dann so kalt ist.

Welzhofer: „Der Winter ist für Vögel eine ruhige Zeit, in der sie an kurzen Tagen weitgehend zurückgezogen leben und viel schlafen. An geschützter Stelle und aufgeplustert sind sie gegen die Kälte gewappnet. Das aufgenommene Futter verwenden sie jetzt ausschließlich zur Selbstversorgung. Wesentlich mehr Energie und Nahrung brauchen sie in der Brutzeit. Dann sind sie an langen Tagen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang unterwegs, um sich selbst plus die zahlreichen Küken im Nest zu versorgen."

Auch der Kernbeißer freut sich über diesen Vogelschmaus im Garten. Foto: Welzhofer
Auch der Kernbeißer freut sich über diesen Vogelschmaus im Garten. Foto: Welzhofer

6. Fressen die Vögel das Futter nicht,
    dann sind sie satt.

Welzhofer: „Üblicherweise ist liegengebliebenes Futter eher ein Zeichen dafür, das damit etwas nicht stimmt oder es für die Vögel im Garten ungeeignet ist. Es kann beispielsweise sein, dass die Qualität zu wünschen übrig lässt und die Zutaten alt sind. Ist das Futter ranzig, kann man das am Geruch leicht feststellen. Manche Mischfuttersorten enthalten zum Beispiel ganze Weizenkörner, die Singvögel in der Regel gar nicht fressen, oder auch Kleinsämereien, die nur einige Waldvogelarten verzehren."

7. Nadelgehölze sind nichts für den vogelfreundlichen Hausgarten.

Welzhofer: „Das Gegenteil ist der Fall: Gartenvögel sind auf Koniferen wie Eibe, Lebensbaum oder Scheinzypresse zwingend angewiesen, weil diese Immergrünen für sie Rückzugsräume vor rauen Winterwinden sind. Je dichter die Konifere, desto mehr Schutz bietet sie. Damit sich die Vögel in einem Garten wohl fühlen, sollten möglichst etwa 20 Prozent der Gehölze Koniferen sein."

Sind die Netze der Vogelschmäuse leer, hängt am besten sofort an denselben Stellen neue auf. So erfahren die Tiere den Ort als zuverlässige Nahrungsquelle und kommen immer wieder. Foto: Welzhofer
Sind die Netze der Vogelschmäuse leer, hängt am besten sofort an denselben Stellen neue auf. So erfahren die Tiere den Ort als zuverlässige Nahrungsquelle und kommen immer wieder. Foto: Welzhofer

8. An die Futterstellen kommen ja doch
    nur Meisen, Amseln und Spatzen.

Welzhofer: „Die Artenvielfalt, die man mit geeignetem Futter in den Garten lockt, ist weitaus höher. Im städtischen Raum, sind an einem Futterplatz in der Regel um die 15 verschiedenen Vogelarten zu beobachten - in ländlichen Regionen kann die Zahl sogar mehr als doppelt so groß sein."

9. Essensreste tun´s auch - die Vögel nehmen
    sich schon, was sie brauchen.

Welzhofer: „Zwar bedienen sich Gartenvögel durchaus auch an Essensresten und Brotkrumen, wenn sie ihnen angeboten werden, dennoch sind diese für den Menschen produzierten Nahrungsmittel für sie nicht geeignet. Vor allem die darin enthaltenen Salzmengen sind außerordentlich schädlich und können gerade bei Frostwetter, wenn den Tieren wenig Wasser zur Verfügung steht, zu großem Durststress führen. Und verdorbene und schimmelige Küchenabfälle sind für die Vögel natürlich genauso ungesund wie für uns Menschen."

Es gibt viele Möglichkeiten, Gärten durch vogelfreundliche Bepflanzungen und Gestaltungen in Brut- und Lebensraum für die gefiederten Freunde zu verwandeln. Foto: Welzhofer
Es gibt viele Möglichkeiten, Gärten durch vogelfreundliche Bepflanzungen und Gestaltungen in Brut- und Lebensraum für die gefiederten Freunde zu verwandeln. Foto: Welzhofer

10. Wer ausreichend Sträucher im Garten hat,
      muss keine Nistkästen aufhängen.

Welzhofer: „Bäume und Sträucher laden viele Gartenvögel zum Nisten ein, speziell wenn im Brutumfeld das Nahrungsangebot passt und ausreicht.
Viele Arten benötigen jedoch andere Nistmöglichkeiten: Höhlenbrüter wie Meisen oder Stare und Halbhöhlenbrüter wie Amseln und Rotschwänzchen sind zumeist auf geeignete » Bruthilfen im Garten angewiesen."


Mehr zur Vogelkunde im eigenen Garten
finden Sie unter » www.welzhofer.eu.

Quelle: Welzhofer GmbHQuelle: Grünes Presseportal

 


 

Dieser Beitrag wurde von Detlef Klemme eingestellt.
Der Trierer Journalist und Buchautor ist Mitgesellschafter
der BLiCKpunkt Senioren GbR und leitet dort seit über
15 Jahren die Fachredaktion im Medienverbund.

 


zurück zu Aktuelles (Startseite)