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Warum ist eine Grippe besonders für Senioren gefährlich?

Jeder Mensch kann an einer Grippe (Influenza) erkranken, vor allem aber bei sehr jungen und sehr alten Menschen können Komplikationen auftreten. Bei der älteren Bevölkerungsschicht sind vor allem das verlangsamte Immunsystem und das häufigere Vorkommen von Grunderkrankungen für einen schweren Krankheitsverlauf ursächlich.

Wie bekommt man eine Influenza?

Bei einer Grippe (Influenza) handelt es sich, um eine virale Erkrankung, die durch Influenzaviren verursacht wird. Sie kommt weltweit vor und ist für Menschen jedes Alters und Gesundheitszustands ansteckend. Laut Statistiken sind vor allem jüngere und ältere Menschen von einer Infektion öfter betroffen.
Die Viren werden über die Umgebung aufgenommen. Dies kann durch Aerosole in der Luft (Tröpfcheninfektion durch Niesen oder Husten) oder Schmierinfektion (Anfassen von Gegenständen wie z. B. Türgriffe etc.) passieren. Die Viren gelangen so auf die Schleimhäute des gesamten Atmungsapparates (Respirationstraktes) und treffen dort auf eine Schleimschicht. Diese Schleimschicht dient als Immunbarriere und nimmt die krankmachenden (pathogenen) Influenzaviren auf. In den Atemwegen wird durch den sogenannten ziliaren Transport der Schleim konstant entfernt. Bei dem ziliaren Transport handelt es sich um einen Reinigungsmechanismus, der mithilfe von kleinen „Haaren“, sogenannten Zilien, Fremdstoffen aus der Lunge transportiert. Einige Virenpartikel können es jedoch trotzdem bis zum darunterliegenden Epithelgewebe schaffen und dort beginnen die Zellen zu infizieren. Für die Infektion und das Ausgliedern neu entstandener Virenpartikel sind die Proteine Hämagglutinin und Neuraminidase zuständig. Influenzainfektionen treten am stärksten in den unteren Regionen des Respirationstraktes (Bronchien und Bronchiolen) auf. Die durch Influenzaviren infizierten Zellen sterben durch die Infektion häufig ab und entleeren ihren Inhalt in die Umgebung. Da im unteren Respirationstrakt der Gasaustausch stattfindet, kann durch eine Influenzainfektion die Fläche für den Gasaustausch reduziert werden. Dies ist der Grund, warum bei einer Influenza vor allem Lungenkomplikationen im Vordergrund stehen. Bei ansonsten gesunden Personen muss dies nicht zu Problemen führen, da diese Schädigung innerhalb einiger Tage wieder ausheilt.

Die Inkubationszeit einer Influenza liegt bei 1-2 Tagen und es folgt ein rascher heftiger Krankheitsbeginn. Bei einem schweren Krankheitsverlauf tritt eine Verschlechterung oft nach etwa 3-5 Tagen nach Symptombeginn auf.

Risikogruppe Senioren

Wie bereits in der Einleitung erwähnt wurde, ist eine Influenza besonders für die sehr junge bzw. ältere Bevölkerungsschicht gefährlich. Für Personen über 65 steigt die Infektionsgefahr und Gefahr, dass die Krankheit mit Komplikationen einhergeht deutlich an. Die meisten Komplikationen entstehen im unteren Respirationstrakt (vor allem Bronchien). Sie können durch das Influenzavirus selbst oder durch eine zusätzliche Infektion mit Bakterien (bakterielle Sekundärinfektion) ausgelöst werden. Auch chronische Erkrankungen, die im Alter verstärkt auftreten können sich verschlechtern und Komplikationen auslösen. Dies trifft vor allem auf chronische Herzerkrankungen, chronische Lungenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus), Immundefekte, schwere Fettleibigkeit und neurologische bzw. neuromuskuläre Erkrankungen zu.

Hauptgrund für die Infektionsanfälligkeit von Personen über 65 ist die verlangsamte Immunantwort, die diese Personengruppe aufweist. Die häufigste und auch schwerfälligste Komplikation einer Influenza ist eine Lungenentzündung (Pneumonie). Eine Pneumonie beschreibt einen Entzündungsvorgang der Lungen, bei dem Gewebe beschädigt werden kann. Dabei werden Zellen zerstört und die Fläche an der Sauerstoff- und Kohlenstoffdioxidaustausch stattfinden kann, wird reduziert. Senioren können vermehrt von einer Influenza so stark geschwächt werden, dass sie sich nicht mehr vor einem bakteriellen Befall der Lunge schützen können und es dadurch zu einer bakteriellen Pneumonie kommt. Rein virale Pneumonien treten eher selten auf, es gibt aber auch viral-bakterielle Mischformen. Die Bakterien, die eine Pneumonie verursachen stammen meist aus der normalen Bakterienflora (Mikrobiom) der Nase und des Rachens. Daher können sich Senioren auch nicht wirklich vor einer Pneumonie als Komplikation schützen. Bei Patienten mit Lungen- und Herzerkrankungen kann ein Kreislaufversagen eintreten. Wenn das Immunsystem stark unterdrückt ist, können von Bakterien freigesetzte Gifte (Toxine) den Patienten überfordern und den Sauerstofftransport stark reduzieren oder das toxische Schocksyndrom hervorrufen. Das toxische Schocksyndrom beschreibt ein Kreislauf- und Organversagen, das durch Bakterientoxine verursacht wird. Im Fall einer COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) erfolgt die Entwicklung über Jahre hinweg und wird häufig erst im Alter erkannt/relevant. Erkrankt ein COPD-Patient an einer Influenza kommt es häufig zu einer Verschlimmerung des Zustands.
Neben Atemwegskomplikationen sind vor allem Herzkomplikationen bei älteren Menschen vorhanden. Vor allem Vorhofflimmern (Kontraktion des Herzens ist nicht im Rhythmus), Perikarditis (Entzündung der Membran um das Herz) und Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels selbst) wurden mit einer Influenza assoziiert.

Auch bezüglich der Impfung gibt es bei Senioren Einschränkungen. Da ältere Personen ein langsameres und trägeres Immunsystem besitzen, wirkt die Impfung deutlich geringer bei dieser Personengruppe. Dennoch empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Impfung, da sie bei älteren Personen wesentlich dazu beitragen kann, Komplikationen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle einzuschränken.
Bei der älteren Bevölkerungsgruppe besteht auch ein epidemiologisches Problem. Ältere Menschen sind öfter in Krankenhäusern und Arztpraxen aufgrund von Routineuntersuchungen oder anderer Krankheiten und können sich dort über andere Personen infizieren. Auch Pflege- und Altenheime können ein Problem darstellen, da viele immungeschwächte Menschen mit zum Teil vorhandenen Grunderkrankungen auf engem Raum zusammenleben.

Wie kann man sich schützen?

Da es nur sehr wenige Arzneimittel gibt, die gegen eine Influenza eine Wirkung zeigen, spielt die Vorbeugung (Prävention) eine große Rolle. Vor allem für ältere Personen wird die Prävention einer Influenza von immer größerer Bedeutung. Um das Risiko einer Erkrankung zu minimieren kann folgendes unternommen werden:

  • Aufhören zu Rauchen. Rauchen hemmt den ziliaren Transport und dadurch den Abtransport von infektiösen Virenpartikeln.
  • Regelmäßige und sorgfältige Handhygiene
  • Jährliche Impfung. Bevorzugt in den Monaten Oktober und November, um den vollen Impfschutz zu etablieren. Die Ausbildung eines Impfschutzes dauert etwa 2 Wochen.
  • Antivirale Arzneimittel können beim Ausbruch einer Influenza in Altenheimen oder bei Personen im eigenen Haushalt präventiv eingenommen werden.
  • Abdecken von Mund und Nase beim Husten/Niesen. Bevorzugt sollte der Ellbogen verwendet werden statt der Hände.
  • Regelmäßiges Lüften reduziert die Keimanzahl in der Raumluft und erhöht die Luftfeuchtigkeit im Raum. Durch die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit trockenen Schleimhäute nicht so schnell aus und liefern stärkeren Schutz vor Virenpartikeln.
  • Generell sollten sämtliche Sekrete aus dem Atemwegstrakt in Papiertaschentücher aufgenommen werden und sofort hygienisch entsorgt werden.
  • Grippepatienten sollten sich zu Hause auskurieren. Dies reduziert zum einen das Risiko, andere Personen anzustecken, zum anderen das Risiko, sich selbst, durch das geschwächte Immunsystem, mit einer Sekundärinfektion anzustecken. 1|2

Quellen:

1 http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Influenza.html?nn=2370434
   Zuletzt aufgerufen am 17. Februar 2015.
2 Donald Emmeluth, Deadly Diseases And Epidemics: Influenza, Infobase Publishing, 2003. S. 52-81
  


 

Dipl.-Ing. (FH) Pia Haun | 
Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Holzschutz | IHK Trier
 

Dieser Beitrag wurde von Pia Haun eingestellt.
Die beratende Diplom-Ingenieurin (FH) für Bauwesen ist von der IHK Trier
öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Holzschutz
sowie Gutachterin für Schimmelpilzschäden.
Seit Januar 2015 ist Pia Haun stellv. Vorsitzende des Verein Pflegeliga e.V.
 
 
 

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