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Ursula Fischer - Wohnen für Menschen mit Demenz im Johannisstift

Das Sophie-Cammann-Haus öffnet Anfang 2009 die Türen

Fotos aus ihrem Leben sind ein wichtiger Zugang zu Menschen mit Demenz. Ursula Fischer, examinierte Altenpflegerin und Gerontopsychiatrische Fachkraft, mit einer Bewohnerin des Evangelischen Altenheims St. Johannisstift.
Fotos aus ihrem Leben sind ein wichtiger Zugang zu Menschen mit Demenz. Ursula Fischer, examinierte Altenpflegerin und Gerontopsychiatrische Fachkraft, mit einer Bewohnerin des Evangelischen Altenheims St. Johannisstift.

Im Oktober 2007 war Grundsteinlegung, jetzt, gegen Ende des Jahres 2008, ist der Neubau „Wohnen für Menschen mit Demenz“ des St. Johannisstift Paderborn fast fertiggestellt. Im Januar 2009 werden die ersten Bewohner das Sophie-Cammann-Haus beziehen. Ursula Fischer ist als Gerontopsychiatrische Fachkraft für das Konzept der Einrichtung verantwortlich.
Im Gespräch erläutert sie, wie das neue Angebot sich ganz besonders auf demenziell erkrankte Menschen einstellt.

Frau Fischer, mit dem Sophie-Cammann-Haus entsteht ein Neubau, optimal zugeschnitten auf die Betreuung von Menschen mit Demenz. Anfang 2009 werden die ersten Bewohner in das schöne Haus einziehen können. Was erwartet sie dort?

''Die Bewohner erwartet ein Haus von hoher Transparenz und Helligkeit, das übersichtlich gestaltet ist mit einladenden Gemeinschaftsflächen, die ein Zusammenleben ermöglichen und fördern. Gleichzeitig bietet das großzügige Platzangebot aber auch Privatheit und Orte zum Verweilen und Beobachten.''

Was ist für Menschen mit Demenz wichtig – und wie sind diese Aspekte im Sophie-Cammann-Haus berücksichtigt?

''Menschen mit Demenz haben auf der einen Seite ein Bedürfnis nach Freiraum und Toleranz, auf der anderen Seite ein Bedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit und Orientierung. Das Sophie-Cammann-Haus wird immer beidem gerecht. Ein Beispiel: Auf jeder Etage gibt es statt langer Flure einladende Rundgänge.
Sie entsprechen dem Bedürfnis der Bewohner nach Freiraum. Gleichzeitig münden sie immer wieder in die Gemeinschaftsflächen, die „Herzstücke“ jeder Wohnetage, die zum Dableiben einladen. So erhalten die Bewohner gleichzeitig Orientierung, Sicherheit, Geborgenheit und Kontaktmöglichkeiten. Die Architektur schafft den Rahmen, mit Leben gefüllt wird das Haus durch Ihr Betreuungs- und Pflegekonzept.''

Wie sehen Ihre Ansätze konkret aus?

''Schwerpunkt ist die Gruppenbetreuung. Die ständige Präsenz von Mitarbeitern als Alltagsbegleiter und tagesstrukturierende Aktivitäten sind Ankerpunkte im Tagesgeschehen. Die Bewohner des Sophie-Cammann-Hauses werden einen erfüllten Alltag erleben, begleitet von qualifizierten Mitarbeitern.
Die Art und Qualität unserer Begleitung ist hier von entscheidender Bedeutung, deshalb verfolgen wir den personenzentrierten Ansatz nach Tom Kitwood.
Das bedeutet: Der Mensch mit seiner einzigartigen Persönlichkeit, mit seiner Biografie, seinen Gewohnheiten und Vorlieben steht im Vordergrund – nicht seine Krankheit.''

Das heißt, Sie gehen individuell auf jeden Bewohner ein?

Ja, absolut. Wir müssen immer wieder Brücken bauen zum Menschen mit Demenz, und ihm helfen, Übergänge von seiner inneren Realität zur äußeren Realität herzustellen. Zudem müssen wir berücksichtigen, das jeder von Demenz Betroffene seine Krankheit und die damit verbundenen Einbußen anders erlebt.
Was für den einen demenziell erkrankten Menschen gilt und seinen Bedürfnissen gerecht wird, muss nicht zwangsläufig auch für den anderen gut sein.
Voraussetzung für die individuelle Begleitung ist deshalb die Kenntnis der Biografie der uns anvertrauten Menschen und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit den Angehörigen, die wir als Partner im Pflege- und Betreuungsprozess sehen.''

Und an wen wendet sich Ihr Angebot, kann sich jeder Interessent einfach melden?

''Das Sophie-Cammann-Haus richtet sich als Angebot in der Hauptsache an Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind und ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen können, die Sicherheit und Geborgenheit in der Gemeinschaft suchen. Jeder Interessierte kann sich melden. Eine gute Anlaufstelle ist da auch unsere neue Demenz-Sprechstunde, die wir seit kurzem jeden Mittwoch anbieten.''

Quelle: www.johannisstift.de


Detlef Klemme | BLiCKpunkt Senioren GbR | Foto: © Kirsten Hötger

Dieser Beitrag wurde von Detlef Klemme eingestellt. Der Paderborner Journalist und Buchautor leitet seit über 10 Jahren die Fachredaktion im BLiCKpunkt Medienverbund. Außerdem führt er seit 2012 den Verein Pflegeliga e.V. als geschäftsführender Vorstandsvorsitzender.

Detlef Klemme
BLiCKpunkt Senioren GbR | Klemme & von Treskow


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