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KINOTIPP - Sommer auf dem Land

Ein Film von Radek Wegrzyn (Kinostart 16.02.2012)

Bogdan ist ein international gefeierter Konzertpianist, doch nach dem Tod seiner Frau Iza kehrt er der großen Bühne den Rücken. Er zieht sich auf den beschaulichen Bauernhof seiner Mutter zurück. In dem kleinen Dorf an der Ostsee haben er und seine Frau sich bereits als Kinder am Strand die ewige Liebe geschworen. Jetzt ist alles anders, Iza ist gegangen. Und Bogdan ergibt sich mit reichlich Alkohol seinem Schicksal, unfähig sein normales Leben wieder aufzunehmen. Doch seine resolute Mutter hat ihr eigenes Rezept den Verzweifelten aus seiner Lethargie zu befreien: Die Renovierung des maroden Hofes und die harte Stallarbeit. Eines Tages macht Bogdan eine alles verändernde Entdeckung. Ausgerechnet eine überraschend musikalische Milchkuh holt Bogdan zurück ins Leben. Eine Entwicklung, die seine Familie und Freunde fassungslos macht. Als Bogdan dann auch noch ein großes Dorffest veranstaltet, überschlagen sich die Ereignisse...

 

Sommer auf dem Land

Ein tragikomischer Film über die Liebe, das Leben und das Loslassen. Bewusst spielt diese herrlich skurrile Geschichte mit all den feinen Zwischentönen von Komik und Tragik —wie im echten Leben…. In einer einzigartigen warmen und herzlichen Stimmung erzählt Regisseur Radek Wegrzyn wie das Leben trotz Schmerz und Trauer immer weiter geht und welche merkwürdigen Abzweigungen dieser Weg haben kann. Dabei knüpft SOMMER AUF DEM LAND an die Traditionen osteuropäischer Filme an, indem mit großartigem Humor die Schwere und Leichtigkeit des Lebens vereint wird.

 

Interview mit dem Regisseur Radek Wegrzyn

In einem Satz: Was ist die Aussage des Filmes?
Manchmal muss man einen geliebten Menschen loslassen, damit er Frieden finden kann. Auch wenn man selbst beinahe daran zerbricht. Liebe und Leid sind im Grunde zwei Seiten derselben Medaille: Wer liebt, der leidet, und wer leidet, der liebt.

Das Thema, das Sie für den Film gewählt haben ist nicht gerade einfach, warum haben Sie sich dazu entschlossen darüber zu drehen? (Der Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen/ Sterbehilfe)
„Sommer auf dem Land“entspringt eigenen Erfahrungen, auch wenn dies nicht - ich besitze keine Kuh - eins zu eins zu verstehen ist. Und eine meiner Urängste ist seit jeher, einen geliebten Menschen verlieren zu müssen. Wir reagieren sehr unterschiedlich auf Verlust; Manche können innerhalb kürzester Zeit loslassen, andere verweigern sich geradezu das Recht, „weiter“ zu leben. Ihr Leben spielt sich größtenteils in der Vergangenheit ab. Seltsamerweise fühle ich mich gerade zu solchen Menschen hingezogen. Mit Roberto und Czarek wussten wir, dass es ein schmaler Grat sein würde, diese Geschichte als Tragikomödie zu schreiben, weil Lachen und Weinen hier so eng beieinander liegen. Aber darin lag auch immer die emotionale Kraft, die diese Geschichte entfalten konnte.

Radek Wegrzyn
Radek Wegrzyn

Ist es schwerer mit Tieren zu drehen oder mit Menschen?
Kommt ganz drauf an! Aber ernsthaft: Dreharbeiten mit Tieren erfordern eine andere Zeitplanung, weil man eben nicht sagen kann: „Jenny (Name der Kuh), der Take war gut, aber kannst Du bitte beim nächsten Mal mit dem rechten Ohr wackeln?“ Kühe sind im Gegensatz zu Hunden auch nur eingeschränkt lernfähig, d.h. der Tiertrainer muss viel häufiger mit Lockmitteln arbeiten - in Jenny‘s Fall mit Äpfeln. Was wiederum bei Schauspielern nur bedingt weiterhilft.

Wie liefen die Dreharbeiten?
Unseren Debütfilm in 26 Drehtagen an drei entfernten Drehorten in zwei Ländern mit einer Kuh zu drehen war eine Herkulesaufgabe. Daher an dieser Stelle mein tief empfundenes Dankeschön an die Bereitschaft aller, mir zu vertrauen und unsere Produktionsbedingungen zu akzeptieren. Von den Schaupielern über die Produzenten bis hin zu unseren Cateringfeen und Setrunnern haben all unsere Mitstreiter weit mehr Energie, Liebe und Zeit in diesen Film investiert als normal ist. Alle haben an den Film geglaubt, und diese Begeisterung sieht man auf der Leinwand, auch wenn der Zuschauer natürlich nicht mitbekommt, was sich hinter der Kamera abspielt. Natürlich gab es viele schwierige Momente, z.B. als unsere schwangere Jenny (die Filmkuh) am Ostseestrand beinahe ihr Kälbchen zur Welt gebracht hätte (sie bekam es dann planmäßig einen Monat später). Jedoch hatten wir das Glück, immer auf sehr hilfsbereite, liebe Menschen zu treffen: Bettina und Roland (die Besitzer des Bauernhofs), die uns des öfteren aus der Patsche halfen. Unsere Statisten in Pritzwalk, die nicht nur hervorragende Polen abgeben, sondern auch unentgeltlich nachts bei vier Grad Celsius Sommerpartylaune verbreiten; das polnische Dörfchen Slowiensko samt Dorfpfarrer und Bürgermeisterin, die uns verrückter Filmtruppe von Anfang an die Türen geöffnet und uns in ihr Herz geschlossen haben. Und viele mehr. Vielleicht funktioniert das alles nur beim allerersten Film, beim Debüt, aber ich bin stolz darauf, was eine junges Team mit 11 Debütanten aus fünf Ländern Europas innerhalb von 26 Drehtagen vollbracht hat.

Sie selbst sind in Polen geboren, haben aber in England den USA und in Deutschland studiert. Hat es eine besondere Bedeutung für Sie, dass Sie ihren ersten Spielfilm in Ihrem Heimatland gedreht haben?
Ich glaube jeder, der in unterschiedlichen Ländern aufgewachsen ist, sucht, bewusst oder unterbewusst, nach Bildern und Emotionen aus der Heimat. In diesem Film erhebe ich keinerlei Anspruch, soziale Realitäten in Polen abzubilden. Wie könnte ich auch, ich wohne seit 1981 nicht mehr in Polen. Trotzdem spielt mein Film dort, weil alles autobiographische, was in der Geschichte steckt, alle realen Personen, deren Eigenschaften ich den Filmfiguren verliehen habe, alle kulinarischen Referenzen in Polen zu finden sind. Mein Polen bezeichnet nicht nur einen geographischen Ort. Es ist meine Großmutter, die in der Küche Gurken einlegt, der Geruch vom Kohleofen im Wohnzimmer, der Besuch meines Grossvaters am Friedhof; es ist mein Elternhaus in Deutschland, meine erste Kommunion, meine Heiligabende, an denen ich seit 34 Jahren die Oblate mit meinen Eltern teile. Es sind meine polnischen Hochzeiten und Beerdigungen. Es ist die Stimme meiner Schwester. Und es ist so viel mehr, in mir, was ich gar nicht in Worte fassen kann. „Sommer auf dem Land“ ist meine Liebeserklärung an meine Familie, mein Heimatland - so wie ich es in Erinnerung habe - und an die Musik, die mich seit meiner Geburt begleitet hat.

Werden Sie auch weiterhin Polen treu bleiben, was den Film betrifft, oder sind Sie da flexibel?
Polen ist mein Heimatland, ich bin dort geboren und habe die ersten Jahre meines Lebens dort verbracht, es hat also einen besonderen Platz in meinem Herzen. Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass ich aus Polen so viel Unterstützung erhalten habe. Und stolz darauf, dass dieser Film von Polen als „polnisch“ empfunden wird. Aber zurück zu ihrer Frage: Wir bereiten als nächstes einen deutschen Spielfilm vor, der auch komplett in Deutschland gedreht werden soll, und einen Dokumentarfilm, der uns auf sechs Kontinente führt. Ich bin in Polen, England und Deutschland aufgewachsen, an „Sommer auf dem Land“ sind drei europäische Länder beteiligt, das Drehbuch ist das Werk dreier europäischer Autoren. Die Zukunft gehört doch einem gemeinsamen Europa, und beim Film ist das nicht anders. Trotzdem wird jeder meiner Filme (m)eine polnische Handschrift tragen. Und das ist - so sagt man hier in Berlin - auch gut so.

Was möchten Sie bei dem Publikum mit dem Film bewirken?
Dass es das Kino mit einem Gefühl von Hoffnung verlässt. Filme erzählen in kurzer Zeit und extrem konzentrierter Form menschliche Erfahrungen. Ich kann tiefste Dramen erzählen, Themen wie Liebe, Verlust und Schuld berühren, ich kann Sterbehilfe befürtworten oder ablehnen, aber am Ende muss Hoffnung existieren. Gute Filme waren für mich immer eine Quelle für Mut, Hoffnung und Lebensfreude. Eigentlich gehe ich ins Kino, um mit 300 Menschen gemeinsam zu lachen und zu weinen. Und danach mit einem besseren Gefühl nach Hause zu gehen.

www.sommeraufdemland.de

Quelle: Entertainment Kombinat / farbfilm verleih GmbH


Detlef Klemme | BLiCKpunkt Senioren GbR | Foto: © Kirsten Hötger

Dieser Beitrag wurde von Detlef Klemme eingestellt. Der Paderborner Journalist und Buchautor leitet seit über 10 Jahren die Fachredaktion im BLiCKpunkt Medienverbund. Außerdem führt er seit 2012 den Verein Pflegeliga e.V. als geschäftsführender Vorstandsvorsitzender.

Detlef Klemme
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