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Für uns steht die Würde des Menschen im Mittelpunkt

Es geht auch anders: Fixierung seit 10 Jahren kein Thema

Schon vor über 10 Jahren wurde der Entschluss gefasst, in unserem Heim gar nicht mehr zu fixieren.
Schon vor über 10 Jahren wurde der Entschluss gefasst, in unserem Heim gar nicht mehr zu fixieren.

Die Negativ-Schlagzeilen sind bekannt – gerade auch aus jüngsten Pressemeldungen: „Viele Senioren leiden unter eklatanten Missständen in Heimen“. So wurde öffentlich das Ergebnis des jüngsten Pflege-Qualitätsberichtes der Krankenkassen zusammengefasst. Unerlaubtes Festhalten, auch Fixierung genannt, war dabei häufiges Thema.
Das St. Bonifatius Wohn- und Pflegheim setzt seit 10 Jahren ein erfolgreiches Gegenkonzept in die Tat um. „Bei uns wird kein Bewohner fixiert.“

Eines stellt Heimleiter Burkhard Keseberg vorweg klar: „Niemand darf länger als 24 Stunden einen Menschen in der Bewegung einschränken, ohne dass eine richterliche Genehmigung vorliegt. Außerdem muss immer Eigen- oder Fremdgefährdung angezeigt sein.“ Tatsache ist auch: Die Pflegequalität in den deutschen Heimen ist in den vergangenen Jahren deutlich verbessert worden. Dies zeigen die Ergebnisse vieler Berichte – gerade auch des MKD – sowie Studien. Verwischt würde dieses Bild lediglich durch einige zu kurz gegriffene Schlagzeilen.

Ein sehr klares Bild vom gewünschten Umgang mit den Bewohnern in der eigenen Einrichtung haben die Verantwortlichen und die Mitarbeiter des St. Bonifatius Wohn- und Pflegeheims in Unna seit vielen Jahren. „Vor über 10 Jahren wurde der Entschluss gefasst, in unserem Heim gar nicht mehr zu fixieren: weder mit Bettgittern, noch mit Medikamenten oder mit so genannten Therapietischen vor dem Sessel“, schildert Geschäftsführer Klaus Bathen. Und das Konzept hat Erfolg. Wirklich niemand erlebt im „Boni“ eine Fixierung.

 

Für uns steht die Würde des Menschen im Mittelpunkt.
Für uns steht die Würde des Menschen im Mittelpunkt.

Der Angst, dass deshalb mehr Stürze passieren könnten, wurde parallel mit einem umfangreichen Trainingskonzept für die Bewohner entgegengewirkt. Für die sehr erfolgreiche Arbeit im Bereich der Sturzprophylaxe erhielt das Unnaer Boni-Heim deshalb bereits vor drei Jahren das Gütesiegel „Sturzpräventive Einrichtung“. Damit war das Alten- und Pflegeheim unter den ersten zehn Einrichtungen in NRW, das diese Auszeichnung führen durfte.

Immer mehr rückt das Thema Sturzprophylaxe in den Mittelpunkt der Arbeit von Alten- und Pflegheimen. Vor einigen Jahren führte auch das Bundesministerium einen so genannten „Expertenstandard“ für dieses Thema ein. Das St. Bonifatius Alten- und Pflegeheim hatte aber bereits im Jahr 2000 mit den ersten Maßnahmen in diesem Bereich begonnen. „Für uns steht die Würde des Menschen im Mittelpunkt. Und diese wird durch jede Form der Fixierung in Frage gestellt“, benennt Heimleiter Burkhard Keseberg die Überzeugung.

Mit diesem Hintergrund gingen die Mitarbeiter des St. Bonifatius Alten- und Pflegeheims in die Umsetzung der individuellen Präventionsarbeit gegen Stürze. „Zunächst wird bei jedem einzelnen Bewohner festgestellt, welches Sturzrisiko besteht“, schildert Martina Sommerfeld. Sie ist im Boni-Heim in Unna seit Jahren als Mitarbeiterin für die Sturzprophylaxe zuständig. Es wird genau geschaut, welche Fähigkeiten bestehen, welche Schwächen – und auch die Umgebung im Zimmer wird geprüft: Stolperkanten am geliebten Perserteppich zum Beispiel. „Der darf dann ruhig im liegen bleiben, aber wir müssen im wahrsten Sinne des Wortes Schritt für Schritt einüben, dass trotz dieser Kante nichts passiert.“

 

Burkhard Keseberg, Einrichtungsleiter
Burkhard Keseberg, Einrichtungsleiter

Hier beginnt die präventive Arbeit mit den Bewohnern. In Gruppen aber auch individuell werden die Muskeln trainiert, Gleichgewichtsübungen absolviert und der Umgang mit Hilfsmitteln wie dem Rollator geübt. Ständig sieht man im Boni Mitarbeiter oder Ehrenamtliche und Angehörige in Aktion, die auf Gängen, an Treppen oder im Garten die Alltagswege mit den Bewohnern einüben. „Das Programm gehört für uns zum Alltag, und das ist das Besondere“, weiß Burkhard Keseberg.

Hinzu kommt seit einiger Zeit das Training im Bereich „Kinaestetics“. Hierbei wird die Mobilität des Bewohners gestärkt, der bei pflegerischen Arbeiten bzw. im Alltag mit eigener Kraft mithelfen kann. „Das hilft natürlich gleichermaßen dem Personal und der eigenen Befindlichkeit in Sachen Sturzprophylaxe“, betont Plfegedienstleiterin Elisabeth Langer.

Dass die Maßnahmen auf große Resonanz stoßen, ist offensichtlich. Die Atmosphäre des Hauses strahlt für alle Geborgenheit und gleichermaßen Sicherheit aus. Und auch die Qualität im Boni wird von vielen Prüfern des MDK gelobt. Die jüngste MDK-Bewertung ergab die Gesamt-Note 1,1 – und liegt damit über dem Landesdurchschnitt. Ein weiterer Effekt: „Viele Hausärzte erleben bei uns, dass der Einsatz von Psychopharmaka stetig reduziert werden kann. Und das ist wohl eher selten der Fall.“

 

Text und Fotos: St. Bonifatius Wohn- und Pflegeheim - Katholischer Hospitalverbund Hellweg

Weitere Informationen zum St. Bonifatius Wohn- und Pflegeheim finden Sie bei:

Das St. Bonifatius Wohn- und Pflegeheim im AOK Pflegenavigator  Das St. Bonifatius Wohn- und Pflegeheim in der weissen Liste

Detlef Klemme | BLiCKpunkt Senioren GbR | Foto: © Kirsten Hötger

Dieser Beitrag wurde von Detlef Klemme eingestellt. Der Paderborner Journalist und Buchautor leitet seit über 10 Jahren die Fachredaktion im BLiCKpunkt Medienverbund. Außerdem führt er seit 2012 den Verein Pflegeliga e.V. als geschäftsführender Vorstandsvorsitzender.

Detlef Klemme
BLiCKpunkt Senioren GbR | Klemme & von Treskow


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