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Deutsch-polnisches Haushaltshilfen-Projekt wissenschaftlich ausgewertet

Hohes Maß an Zufriedenheit - Fachtagung legt Ergebnisse vor

(v.l.n.r.) Projektleiterin Brigitte von Germeten-Ortmann, Dr. Marian Subocz (Vorsitzender Caritas Polen), Josef Lüttig (Diözesan-Caritasdirektor Paderborn), Malgorzata Pliszka (Caritas Polen), Andrea von der Malsburg, Prof. Dr. Michael Isfort (dip)
(v.l.n.r.) Projektleiterin Brigitte von Germeten-Ortmann, Dr. Marian Subocz (Vorsitzender Caritas Polen), Josef Lüttig (Diözesan-Caritasdirektor Paderborn), Malgorzata Pliszka (Caritas Polen), Andrea von der Malsburg, Prof. Dr. Michael Isfort (dip)

Fünf Jahre nach dem Start des deutsch-polnischen Haushaltshilfen-Projekts der Caritas hat eine unabhängige Studie bestätigt, dass die Ziele des Projektes erreicht werden. Die Qualität der häuslichen Versorgung von Pflegebedürftigen in Deutschland werde verbessert; gleichzeitig sei eine positive Wirkung auf die Arbeitssituation der Haushaltshilfen aus Polen feststellbar.

Bei einer Fachtagung des federführenden Diözesan-Caritasverbandes Paderborn mit Vertretern der 25 beteiligten deutschen Caritasverbände sowie polnischer Diözesan-Caritasverbände bescheinigte das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) „ein allgemein hohes Maß an Zufriedenheit mit den Leistungen und Angeboten“. Befragt wurden sowohl polnische Haushaltshilfen als auch deutsche Familien mit Pflegebedürftigen sowie die Caritas-Koordinatorinnen in Deutschland und Polen.

„Heraus aus der Grauzone ...“

Das Projekt „Heraus aus der Grauzone“ ist auch bekannt als „Caritas 24“
Das Projekt „Heraus aus der Grauzone“ ist auch bekannt als „Caritas 24“

Das Projekt „Heraus aus der Grauzone“ – auch bekannt als „Caritas 24“ – wurde 2009 als Reaktion auf die massenhafte, überwiegend illegale Beschäftigung von osteuropäischen Frauen in deutschen Familien mit Pflegebedürftigen gestartet.

„Wir sind damals gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass wir etwas tun müssen“, blickt der Paderborner Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig zurück. Der Diözesan-Caritasverband Paderborn und die örtlichen Caritasverbände Olpe, Paderborn und Soest vereinbarten eine Zusammenarbeit mit der Caritas Polen.

„Wir wollten beiden Gruppen – den Haushaltshilfen und den Familien – ein Angebot unterbreiten, das die Menschenwürde fördert“, erklärt Lüttig. Dr. Marian Subocz, Vorsitzender der Caritas Polen, betont, dass viele polnische Frauen angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in Polen keine andere Möglichkeit sähen, als in Deutschland und anderen westlichen Ländern zu arbeiten. „Ob wir wollen oder nicht: Sie kommen.“ Doch die Frauen müssten vor den Folgen einer illegalen Beschäftigung ohne soziale Absicherung und möglicherweise ausbeuterischen Verhältnissen geschützt werden. Seine Schlussfolgerung damals: „Die Caritas muss helfen.“ Ein Engagement, das schon 2011 höchste Anerkennung erhielt: Stellvertretend für das Projekt erhielt Josef Lüttig das polnische Ehrenabzeichen „Für Verdienste um die Menschenrecht“.

Fachtagung in Paderborn

Die aktuelle Studie des dip zeige, dass das Hilfsangebot sowohl von den Haushaltshilfen wie auch den Familien vor allem wegen der Sicherheit eines legalen Angebotes gern angenommen werde, betonten Prof. Dr. Michael Isforth und Andrea von der Malsburg. Damit einher gehe bei den Haushaltshilfen der Wunsch nach sozialer Absicherung und dem Schutz vor ausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Schulungen seitens der Caritas in Polen geben ihnen zudem Sicherheit bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in den Familien, so Ergebnisse der Befragung von 105 Haushaltshilfen.

Die Familien schätzen die hohe Planungssicherheit bei der Versorgung des pflegebedürftigen Angehörigen. Zudem legen sie Wert auf eine angemessene und sichere Entlohnung der Haushaltshilfen, ergab die Befragung von 103 Familien. „Damit wird ein zentraler ethischer Bereich des Projektes berührt“, erklärt Prof. Dr. Michael Isforth.

Eine zentrale Rolle im Projekt spielen die Koordinatorinnen in Deutschland und Polen, die als Beraterinnen eine Brücke zwischen Familien und Haushaltshilfen einnehmen. Die Studie belege, dass die Koordinatorinnen eine „Schlüsselposition“ für den Erfolg einnehmen. Daraus ergeben sich auch kritische Anmerkungen der Wissenschaftler: So scheinen die für die Koordinatorinnen zur Verfügung stehenden Zeitkontingente an ihre Grenzen zu stoßen. Da müssten Arbeitszeiten der Koordinatorinnen erhöht oder Aufgaben abgegrenzt werden, sagt Brigitte von Germeten-Ortmann, Projektleiterin beim Diözesan-Caritasverband Paderborn.

Auf polnischer Seite zeigte sich, dass Betreuungsangebote für die Familien der in Deutschland arbeitenden Haushaltshilfen noch nicht umfassend realisiert werden konnten. Allerdings belegen die Ergebnisse der Studie auch, dass diese für die Haushaltshilfen nicht zentral waren. Nur ein kleiner Teil der Haushaltshilfen hat noch Kinder im schulpflichtigen Alter. Dieser kann die Versorgung aber meist ohne Probleme selbst sicherstellen.

„Wir haben was Gutes gemacht“, beurteilte Projektleiterin Brigitte von Germeten-Ortmann vor den Trägervertretern des Projektes die Ergebnisse positiv. Die beteiligten Verbände stimmten dafür, das Projekt fortzusetzen. Die Koordination auf Landesebene übernehmen weiterhin der Diözesan-Caritasverband Paderborn und die Caritas Polen.

Kritische Anmerkungen der Studie wolle man aufgreifen und das Projekt verbessern, kündigte von Germeten-Ortmann an. So müsse eine Möglichkeit zur Finanzierung der Arbeit der Koordinatorinnen in Polen gefunden werden, deren Tätigkeit bisher mit eigenen Mitteln der polnischen Caritas wie auch ehrenamtlichem Engagement sichergestellt wurde. Darüber hinaus sollen sowohl die Sprach- wie auch fachlichen Schulungen der Haushaltshilfen verstärkt werden. Vor allem die Kenntnis der deutschen Sprache sei für einen erfolgreichen Einsatz der Haushaltshilfen zentral.

Quelle: Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V. - Foto: cpd | Jonas



Info zum Projekt



Quelle: Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V.
 

„Heraus aus der Grauzone - qualitätsgesicherter Einsatz polnischer
Haushaltshilfen in deutschen Familien mit pflegebedürftigen Personen“

Im Erzbistum Paderborn sind zurzeit rund 100 Frauen aus Polen im Rahmen des Caritas-Projektes im Einsatz. Zehn örtliche Caritasverbände bzw. Caritas-Pflegedienste bieten diesen Service an: Im Bereich Ostwestfalen/Hellweg die Verbände in Paderborn, Soest, Gütersloh, Bielefeld und Detmold; im Sauerland die Caritas in Brilon, Meschede und Olpe; im östlichen Ruhrgebiet die Verbände in Hamm und Unna. Bundesweit sind insgesamt 25 Caritasverbände beteiligt.
Auf polnischer Seite kooperieren aktuell sieben diözesane Caritasverbände. Deren Aufgabe ist es u. a. interessierte Frauen auszuwählen und auf ihren Einsatz in Deutschland vorzubereiten. Mehr Infos zum Projekt unter: www.caritas24.net

 


Siehe auch unter Haushaltshilfen | 24-Stunden-Pflege | SeniorenBetreuung


 

Detlef Klemme
BLiCKpunkt Senioren | Klemme & von Treskow GbR 
Foto: © Kirsten Hötger
 

Dieser Beitrag wurde von Detlef Klemme eingestellt.
Der Paderborner Journalist und Buchautor ist Mitgesellschafter der
BLiCKpunkt Senioren GbR und leitet dort seit über 10 Jahren die
Fachredaktion im Medienverbund. Im Januar 2012 wählten ihn die
Mitglieder des Verein Pflegeliga e.V. zum geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden.


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